Unsubscribe

Unsubscribe, unfriend, unfollow –  von Social Media Sprache ins Deutsche übersetzt: ich möchte dem nicht mehr folgen. Ich möchte nicht mehr der wandelnden Schaufensterpuppe folgen, den gesponserten Influencern, die die meisten Leute in nichts außer in einem Perfektions- und Nachahmungswahn “influencen”. Ich möchte nicht mehr auf diese Weise beeinflusst werden. Ich möchte reale Gespräche, echten, geistigen Input. Wenn ich Werbung sehen will mache ich den Fernseher an, aber was Instagram und Social Media einmal war, ist es schon lange nicht mehr. Und sozial ist es schon gar nicht.

Ich habe lange überlegt ob ich diesen Post schreiben soll. Ist er zu persönlich ? Vielleicht doch lieber einen Fashion Post ? Der ist doch so schön bearbeitet und kuratiert. Ja stimmt, mit einem Outfit Post eckt man nur schwer irgendwo an. Er ist so schön oberflächlich und ohne Worte, da braucht man sich als Leser nicht mit tiefgründigeren Themen zu beschäftigen. Mich beschäftigt dieses ganze Thema schon sehr lange, aber in den letzten Monaten ist es immer wichtiger für mich geworden. Ich werde in den nächsten Wochen diesen Blog hier beenden und eine neue Website veröffentlichen. Natürlich wird mein Instagram Account weiterlaufen, und ja, es wird auch immer wieder Modebasierte Bilder geben, weil ich natürlich immer noch meinem Stil treu bleiben werde. Aber ich habe mich dazu entschieden Abstand von der “24/7 ich teile mein Leben-Community” zu nehmen. Wenn ich mit meiner Familie, mit meinen Freunden unterwegs bin, teile ich das meist nicht. Ich poste auch nicht jeden Tag, was ich esse, was ich anhabe, oder wo ich bin. Ich möchte es teilen, weil ich es möchte und nicht weil ich das Gefühl habe mit allen anderen Bloggern mithalten zu müssen. Ich möchte an meine teilweise auch noch sehr jungen Follower, nicht das Bild der Perfektion vermitteln. Ich möchte nicht daran schuld sein, dass Menschen jüngerer Generationen, ihren eigenen Weg nicht mehr finden, weil sie in einem Wahn von Social Media Eindrücken, nicht mehr wissen, wer sie eigentlich sind und wohin sie wollen.

Meine neue Seite wird eine Portfolio Seite werden. Eine Seite, die meinen Namen tragen und meine Arbeit repräsentieren wird. Die Prioritäten werden andere sein. Im Moment ist For Your Life ein Blog, auf dem eine Unterkategorie, mein Portfolio und meine Designs sind. Das Ganze wird demnächst anders herum sein. Einer der Gründe dafür ist, die Umstrukturierung der Prioritäten, ein anderer, dass ich mich von For Your Life und dem reinen Blogger Dasein verabschieden möchte. Ich kann mich nicht mehr mit der teilweise sehr oberflächlichen Influencer-Welt identifizieren. Ich wollte damals meine Liebe zu Design und zur Fotografie teilen, ich fand es faszinierend zu sehen, wie man damit Geld verdienen konnte und ja, auch ich muss sagen, dass ich dadurch ein gutes Taschengeld für einen Schüler verdient habe. Aber irgendwann kamen auch immer mehr Verpflichtungen und das gesamte Modeblogger Business wurde immer mehr kommerzialisiert. Auflagen, an die man sich bei Posts halten musste um die Reichweite für die Firmen zu steigern. Ich war eigentlich nur noch eine Werbemaschine. Natürlich denke ich, dass man das Ganze von zwei Seiten betrachten sollte. Aus Sicht der betriebswirtschaftlichen und Marketing Seite der Firmen macht es absolut Sinn, eine neue Marketing Möglichkeit zu nutzen um eventuell Kunden zu erreichen, die man auf anderen Wegen nicht mehr erreichen könnte. Social Media ist direkt und einfach und es gibt direktes Feedback. Aber wie bei den meisten Dingen, funktioniert es nur für eine begrenzte Zeit. Wenn man schnell war, ist man als Firma ganz am Anfang auf die Welle aufgesprungen, aber wenn mittlerweile der Bäcker um die Ecke auf Instagram ist, ist der Trend sichtlich erschöpft. Und genauso ist es auch bei den Bloggern, was vor fünf oder sechs Jahren eine Besonderheit war, ist heute schon ganz normal. Immer wenn ich Ratgeber finde, wie man schnellstmöglich viele Follower bekommen soll, oder wie ich ein erfolgreicher Blogger werde, muss ich sehr lachen, denn dann ist für mich meine Entscheidung mit dem Modebloggen in reiner Form aufzuhören, immer wieder leichter.  Ich glaube wirklich, dass es in der deutschen Blogger Industrie einige noch sehr talentierte und engagierte Denker gibt, die immer wieder ähnliche Gedankengänge wie meinen haben und Snapchat oder Instagram auch für tiefgründigere Themen nutzen. Und ich denke, dass genau diese Leute es verstanden haben. Jedoch habe ich trotzdem einen anderen Weg für mich gewählt, einen mit dem ich ehrlich zu meiner Arbeit und meiner Kreativität stehe.